Kaffee ist ein leckeres und beliebtes Heißgetränk, das von Millionen von Menschen jeden Tag gerne getrunken wird. Dieses scheinbar simple Getränk zu genießen ist denkbar einfach: Den heißen Kaffee in deine Lieblingstasse füllen und fertig! Allerdings kannst du mit ein bisschen Zeit und dem richtigen Know-how, das raffinierte und einzigartige Geschmacksspektrum deines Kaffees voll auskosten. Vom richtigen Verköstigen bis zum Austausch auf Kaffeeveranstaltungen, mit den folgenden sieben Tipps ist es ganz einfach das koffeinhaltige Heißgetränk, das wir alle kennen und lieben, so richtig zu genießen.

1. Mit allen Sinnen genießen

Ein ganz einfacher Weg, den vollen Geschmack deines täglichen Kaffees zu genießen, ist dir beim Trinken Zeit zu nehmen, um die feinen Aromen bewusst zu schmecken. Doch es gehört noch mehr dazu, als nur versteckte Geschmacksnoten zu entdecken. In einer Tasse Kaffee werden Aroma, Mundgefühl, Röstung, Säuregehalt, Süße, Bitterkeit und Nachgeschmack auf eine komplexe Art und Weise miteinander vereint. Wenn du deinen Kaffee mit allen Sinnen genießt, erfährst du automatisch mehr über die einzigartigen Charakteristiken der jeweiligen Sorte.

Dennoch ist deine Zunge dein wichtigstes Instrument, wenn es darum geht, Kaffee zu verkosten. Dabei geht es allerdings um mehr, als nur um die Geschmacksknospen. Die Art und Weise, wie du den Kaffee trinkst, kann einen großen Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung haben. Viele professionelle Kaffeehändler schwören dabei darauf den Kaffee zu schlürfen, anstatt ihn zu trinken. Durch das schnelle Schlürfen wird der Kaffee belüftet und kann so sein volles Aroma entfalten – genauso, wie du eine Flasche Wein nach dem Öffnen eine Weile ziehen lässt.

Um deine Geschmackserfahrung beim Kaffeetrinken zu verbessern, solltest du außerdem deine Ohren einsetzen. Wenn du deinen Kaffee direkt vor der Zubereitung mahlst, dann verrät dir das Geräusch des Mahlens einiges über die Qualität der Kaffeebohnen. Du erkennst leicht, ob die Bohnen hart und brüchig oder weich und biegsam sind. Die Qualität jeder einzelnen Kaffeebohne wirkt sich direkt auf den Geschmack aus.

Zudem ist es wichtig, den Duft deines Kaffees während der Zubereitung bewusst wahrzunehmen. Vor allem bei den folgenden vier Schritten solltest du genau hinriechen: Bevor die Bohnen gemahlen werden, sofort, nachdem du den Kaffee gemahlen hast, während des Brühens und sofort, nachdem du deinen Kaffee aufgebrüht hast. Durch deinen Geruchssinn erhältst du einen ersten Eindruck deines Kaffees. Meist kannst du schon am Geruch erkennen, ob der Kaffee frisch ist oder das Röstdatum schon eine längere Zeit zurück liegt. Außerdem sind manche Geschmacksnoten viel leichter am Geruch, als am tatsächlichen Geschmack zu erkennen.

Obendrein lohnt es sich, wenn du dir Zeit nimmst, deinen Kaffee mit den Augen zu begutachten. Dadurch kannst du dir schon vor der Zubereitung einen Eindruck der jeweiligen Eigenschaften der Kaffeesorte verschaffen. Durch einfaches Fühlen und Ansehen kannst du die Gleichmäßigkeit von Farbe und Größe der Bohnen bewerten und somit bereits einiges über die Qualität des Röstergebnisses herausfinden. Einige wenige Kaffee-Experten sind sogar dazu in der Lage die Herkunft, Röstung und die Qualität eines Kaffees zu bestimmen, ohne einen Schluck davon zu trinken.

2. Verschiedene Sorten vergleichen

Einen wirklich außergewöhnlichen Kaffee zu trinken, ist oft ein einzigartiges Erlebnis. Mit ausreichend Zeit und Ruhe beim Kaffeetrinken vereinen sich die verschiedenen Aromen einer Tasse Kaffee, wodurch die dezenten Geschmacksnoten verstärkt werden und leichter zu schmecken sind. Dazu benötigst du jedoch sehr viel Zeit, die nicht immer zur Verfügung steht. Um die feinen Geschmacksunterschiede verschiedener Kaffeesorten schneller zu erkennen, verkosten die meisten Kaffeehändler mehrere Sorten auf einmal.

Wenn du zwei ähnliche Kaffees direkt miteinander vergleichst, schmeckst du die kleinen Unterschiede ganz eindeutig heraus und es ist leichter, dich für einen von beiden zu entscheiden. Es lohnt sich aber auch zwei grundverschiedene Kaffeesorten auf einmal zu verkosten, dadurch lernst du schnell, welche Aromen du in deinem Kaffee bevorzugst und kannst dich zukünftig leichter für eine Sorte entscheiden.

Es ist beispielsweise relativ schwer zwei hochwertige Kaffeesorten aus Guatemala voneinander zu unterscheiden, wenn du beide innerhalb von mehreren Tagen probierst. Wenn du beide Kaffees allerdings zur selben Zeit trinkst, ist es leichter zu erkennen, welche Sorte einen höheren Säuregehalt hat, über einen volleren Körper verfügt, welcher von beiden vollmundiger schmeckt und eher die blumigen, fruchtigen oder nussig schokoladigen Noten besonders betont. Viele Kaffeeröstereien und Abo-Dienste bieten mittlerweile Testpakete an, die kleine Mengen verschiedener Kaffeesorten enthalten. Eine Kaffeeverkostung zu Hause mit deinen Freunden, bei der du einfach ein paar verschiedene Sorten zum Probieren anbietest, macht nicht nur Spaß, sondern kann zudem sehr aufschlussreich sein. Hier noch ein kleiner Tipp für dich: Hast du nun eine Kaffeesorte gefunden, die deinem Geschmack entspricht? Dann bereite sie doch einfach mal auf unterschiedliche Art und Weise zu. Probiere deinen Kaffee als Espresso, als Cappuccino oder Flat-White in Kombination mit Milch und letztlich ganz klassisch als frisch aufgebrühten Filterkaffee. Eines vorweg: Du wirst begeistert sein! Selbst der gleiche Kaffee unterschiedlich zubereitet, wird dir geschmacklich interessante Eigenschaften aufzeigen.

3. Lerne von anderen

Auch wenn du beim Probieren verschiedener Kaffeesorten zu Hause mit deinen Freunden viel lernst, ist es nicht nur zeitintensiv, sondern auch teuer. Zum Glück haben viele Coffeeshops mittlerweile auf das wachsende Interesse an Spezialitätenkaffee reagiert und bieten Veranstaltungen mit Kaffeeproben an. So ein Event ist eine günstige Gelegenheit bis zu zwölf verschiedene Kaffeesorten innerhalb weniger Stunden zu verköstigen.

In der Regel gibt es zwei Arten dieser Verkostung, die sich immer an ein bestimmtes Publikum richten. In kleinen Röstereien gibt es häufig verschiedene Kaffeesorten aus den gleichen Herkunftsländern, denselben Anbaugebieten oder sogar manchmal von derselben Plantage. Hier geht es darum, die feinen Unterschiede in Aroma und Qualität so wie eventuelle Mängel beziehungsweise Defekte in den Kaffeebohnen zu bestimmen. Diese Veranstaltungen sind eher für erfahrene Kaffeetrinker, die sich in der Welt des Kaffeearomas bereits auskennen, und wissen, wovon sie reden.

Bei der zweiten Variante stehen die angesagtesten Kaffeesorten verschiedener Herkunft und von unterschiedlichen Röstereien im Mittelpunkt. Diese Veranstaltungen sind nicht nur eine gute Einführung in die Welt des Kaffees für weniger erfahrene Kaffeeliebhaber, sondern auch eine Möglichkeit dein persönliches Wissens- und Geschmacksspektrum zu erweitern. Außerdem ist eine solche Kaffeeprobe die perfekte Gelegenheit sich mit Gleichgesinnten und Fachhändlern über die vielen verschiedenen Eigenschaften des Kaffees auszutauschen.

Durch die hilfreichen Tipps der Veranstalter lernst du, wie du den Kaffee am besten trinkst und die verschiedenen Aromen treffend beschreibst. Letzteres hilft dir, die verschiedenen Kaffeesorten objektiv zu bewerten und dich für deine Favoriten zu entscheiden.

4. Die Aromen richtig beschreiben

Viele Kaffeeröstereien schmücken die Verpackungen ihres frisch gerösteten Kaffees oft mit Anmerkungen zur jeweiligen Geschmacksnote. Dabei werden häufig Wörter wie Karamell, Zartbitterschokolade und verschiedenste Arten von Früchten verwendet. Manchmal findest du dort auch Hinweise auf das Mundgefühl oder das Aroma. Diese Beschreibungen sind keinesfalls willkürlich gewählt, sondern wurden im Rahmen mehrerer Verkostungen von verschiedenen Fachkundlern bestätigt. Ein Röster kann dabei auf einen großen Wortschatz aus Adjektiven zurückgreifen, die üblicherweise dazu gebraucht werden die unverwechselbaren Geschmacksnoten von Kaffee zu beschreiben. Dein eigenes Vokabular kannst du beim Lesen oder durch den Austausch bei Kaffeeproben erweitern. An dieser Stelle haben wir noch einen kleinen Tipp für dich: Solltest du dir bei der Beschreibung der Aromen und Geschmacksrichtungen deines Kaffees noch etwas schwer tun? Keine Angst! Schaue dir doch einfach mal in Ruhe das Aromarad der Speciality Coffee Association of Europe an. Dieses so genannte Coffee Flavour Wheel beinhaltet für dich eine Vielzahl an Vokabular für die richtige Beschreibung eines Kaffees. Das Besondere: Die Beschreibungen sind für dich sogar in die wahrnehmbaren Geschmacksrichtungen süß und sauer, bitter und salzig voreingeteilt.

Auch wenn jeder Kaffeekenner sein eigenes und individuelles Lexikon von Adjektiven in seinem Kopf mit sich herumträgt, so basieren sie doch alle auf demselben Wissen. World Coffee Research ist ein weltweites Forschungsteam, das mit vielen NGOs, Kaffeeverbänden und Forschungsinstituten auf der ganzen Welt zusammenarbeitet, um einen globalen Standard für die Kaffeeindustrie zu gewährleisten. Dazu gehört auch eine Reihe von Wörtern, Ausdrücken und Definitionen, die den vielen Adjektiven, die oft im Zusammenhang mit Kaffee verwendet werden, eindeutige Bedeutungen zuordnen. Das macht es einfacher die verschiedenen Kaffeesorten präzise zu beschreiben.

Dein eigenes Vokabular polierst du mithilfe verschiedener Bücher, Webseiten und dem Aromarad der SCAE auf. Sobald du dir einen solchen Wortschatz angeeignet hast, ist es viel einfacher genauer zu beschreiben, wie dein Lieblingskaffee schmeckt. Außerdem kannst du auf einer Verkostung – im Café oder bei Freunden – immer wieder neue Worte aufschnappen und dein persönliches Lexikon zusammenstellen und fortlaufend erweitern.

5. Dokumentiere deine Geschmackserlebnisse

Kaffee wird oft direkt verglichen, um die feinen und dennoch grundverschiedenen geschmacklichen Unterschiede festzustellen. Ohne diese Art von Verkostung würden dir die großartigen, aber dezenten Abweichungen zwischen ähnlichen Kaffeesorten verwehrt bleiben. Die feinen Geschmacksnoten bestimmter Sorten geraten allerdings oft viel zu schnell in Vergessenheit. Wenn du deine Geschmackserlebnisse jedoch dokumentierst, wird es dir leichter fallen, dich an frühere Aromen zu erinnern und dein Kaffeewissen auszubauen.

Dazu musst du keine ausschweifenden Berichte schreiben, sondern einfach nur die Herkunft und Rösterei des Kaffees sowie die Zubereitungsart und deinen Gesamteindruck festhalten. So kannst du alle Kaffeesorten, die du in der Woche, im Monat oder im Jahr trinkst, ganz einfach miteinander vergleichen. Falls du gerne ins Detail gehst, kannst du zudem noch das Mundgefühl, das Aroma, den Nachgeschmack und sogar den Röstgrad der Bohnen dokumentieren. Generell gilt: Je mehr Einzelheiten du dokumentierst, desto besser lernst du die verschiedenen Kaffees mit all ihren Facetten kennen.

SCAA_FlavorWheel_big

Coffee Flavour Wheel
(c) SCAA

Mittlerweile wurden von einigen bekannten Kaffee-Experten Arbeitshefte auf den Markt gebracht, in die du deine Geschmackserlebnisse ganz einfach in einen Verkostungsbogen eintragen kannst. Damit sollen dir Unterhaltungen in der komplexen Welt der Kaffeearomen erleichtert werden. Je mehr Menschen es gibt, die ihre Geschmackserlebnisse dokumentieren und sich darüber austauschen, desto kontinuierlicher kann sich die Kaffeeindustrie in Sachen Qualität weiterentwickeln.

6. Den Spaß nicht vergessen

Durch die vielen Fachwörter und Spielereien, die in der Kaffeewelt heutzutage weit verbreitet sind, wird der Genuss einer Tasse Kaffee oft zur Pflicht. Wenn du morgens mit einer Tasse Kaffee in der einen und deinem Arbeitsbuch in der anderen Hand in deiner Küche stehst, erscheint der Aufwand für ein eher einfaches Heißgetränk zu groß.

Du solltest nicht vergessen, dass es bei der Verkostung von Kaffee in erster Linie darum geht, zusammen mit anderen Kaffee-Liebhabern Spaß zu haben. Der persönliche Austausch in deinem Lieblingscafé oder virtuell in den sozialen Medien kann dabei sehr hilfreich sein.

Indem du deinen Lieblingskaffee mit anderen teilst oder vielleicht sogar deine eigene Kaffeeverkostung auf die Beine stellst, stärkst du nicht nur deine regionale Gemeinschaft von Kaffeeliebhabern, sondern findest zweifellos auch den ein oder anderen Kaffee, der auf deiner Liste noch fehlt.

7. Lass dir Zeit

Kaffee ist das typische Getränk für Menschen, die viel unterwegs sind. Egal, ob du im Zug oder Flieger sitzt, mit dem Auto oder Bus unterwegs bist. Kaffee ist nicht selten dein treuer Begleiter, oder? Das Besondere: So ganz nebenbei steigert er dabei auch noch deine Leistungsfähigkeit und bringt deinen Stoffwechsel auf Hochtouren! Doch wenn du deinen Kaffee ausschließlich unterwegs und nebenbei trinkst, entgehen dir leider die vielen Feinheiten, die das Getränk so besonders und lecker machen. Nimm dir einmal am Tag oder einmal in der Woche genug Zeit, um zu Hause einen frisch aufgebrühten Filterkaffee, einen perfekt extrahierten Espresso oder cremig-vollmundigen Cappuccino zuzubereiten. Wenn du dir schon beim Kochen Zeit lässt und deinen Kaffee anschließend bewusst genießt, hast du automatisch mehr Zeit, all das Wissen anzuwenden, das du gelernt hast, und kannst dein Geschmackserlebnis voll auskosten. Probiere es einfach mal aus!

Worauf achtest du, um deinen Kaffee optimal zu genießen? Wir freuen uns auf deine Tipps!