Die Tasse Kaffee, die du jeden Tag genießt, hat eine lange und teilweise wirklich komplizierte Reise hinter sich. Bevor du deinen Kaffee gekocht oder deiner Barista abgekauft hast, hat er unglaublich viele Arbeitsschritte und Prozesse über sich ergehen lassen.

Für Gedanken darüber, wo dein Kaffee herkommt, bleibt im Alltag meistens keine Zeit. Dabei ist der Weg von der Pflanze in deine Tasse ein spannender, an dem viele verschiedene Menschen und Maschinen beteiligt sind. Eine interessante Geschichte, die du hier nachlesen kannst, um die Kaffee-Verarbeitung genau zu verstehen!

Der Kafffeeanbau

Kaffee wächst an Bäumen in tropischen und subtropischen Gebieten auf der ganzen Welt. Ein Kaffeefeld ist ein schöner und friedlicher Ort. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen blüht die Kaffeepflanze und füllt die Luft auf der gesamten Plantage mit einem angenehmen Jasminduft. In den Monaten nach der Blüte wachsen die grünen Kaffeekirschen. Zur Erntezeit sind die mittlerweile dunkelroten Kirschen von saftig grünen Blättern umgeben. Zum Schutz der Früchte werden Kaffeepflanzen im Schatten größerer Bäume und auf weichem Untergrund angebaut.

Kaffee wird gleichermaßen auf großen industrialisierten Plantagen und von kleinen, unabhängigen Kaffeebauern angepflanzt. Manche diese Bauern haben nur ein paar kleine Kaffeefelder, während die großen Kaffeeplantagen nicht nur große Anbaugebiete, sondern auch ihre eigenen Verarbeitungsanlagen haben.

Die Ernte

Auch wenn der Großteil der Kaffeekirschen von Hand geerntet wird, können dafür in manchen Fällen Maschinen verwendet werden. Um den bestmöglichen Geschmack zu erhalten, achten Kaffeebauern bei der Ernte darauf, nur die reifen und roten Kirschen zu pflücken. Bei dieser Erntemethode muss der Bauer durchschnittlich zwei bis drei Erntegänge einrechnen, zwischen denen jeweils Ruhezeiten liegen sollten, in denen die Früchte reifen können. Manchmal werden aber auch alle Kaffeekirschen – egal, ob reif oder unreif – in einem einzigen Durchgang geerntet und hinterher sortiert.

Das Nassverfahren

In den meisten Betrieben wird der Kaffee im Nassverfahren verarbeitet. Einige kleinere Kaffeebauern verzichten häufig darauf den Kaffee zu waschen und verwenden stattdessen das Trocken- oder Honigverfahren. Bei diesen Methoden findet der Gärungsprozess bereits statt, wenn die Kaffeebohne noch in der Frucht ist, oder manchmal sogar schon während der Trocknungszeit.

Die Entkernung

Das Nassverfahren ist eine aufwendige Methode. Dabei wird zunächst die Frucht direkt nach der Ernte von der eigentlichen Kaffeebohne entfernt. Andernfalls beginnt der Gärungsprozess, der, wenn er zu lange dauert, einen sauren Geschmack hinterlässt. Kleinere Plantagen können den Gärungsprozess aufgrund der geringen Produktionsmengen besser kontrollieren, als industrielle Farmen, die teilweise das Erntedatum der Bohnen nicht mehr nachvollziehen können.

Die Frucht wird mithilfe von speziellen Maschinen von der Kaffeebohne entfernt. Diese Maschine arbeitet mit zwei Rollen die sich aufeinander zu drehen und die Frucht zerdrücken, die Bohne wird dabei auf der einen und das Fruchtfleisch auf der anderen Seite herausgepresst. Kleinere Betriebe mieten sich diese Maschinen stundenweise, oder nutzen ein manuelles Gerät, das nicht selten mithilfe eines Fahrrads betrieben wird. Die großen Plantagen haben natürlich ihre eigenen automatisierten Entkernungsanlagen.

Der Gärungsprozess

Nach dem Schälen werden die Kaffeebohnen fermentiert. Auf großen Plantagen findet dieser Prozess in speziell dafür vorgesehenen Gärungsbehältern statt. In diesen großen Fässern aus Zement gären die Kaffeebohnen etwa 24 Stunden lang. Kleine Bauern verwenden einfach Kaffeesäcke zu diesem Zweck. Der Gärungsprozess entfernt die Schleimstoffe, die nach dem Entfernen der Frucht auf der Kaffeebohne zu finden sind.

Das Waschen

Sobald sich die Kaffeebohnen nicht mehr schleimig, sondern eher klebrig anfühlen, werden sie gewaschen, bis alle Rückstände vollständig entfernt sind.

Das Trocknen

Nachdem der Kaffee gewaschen wurde, werden die Bohnen zum Trocknen ausgelegt. Das bedeutet bei vielen kleinen Kaffeebauern, dass sie den Kaffee auf den Blechdächern ihrer Häuser verteilen. Mehrmals am Tag werden die Kaffeebohnen auf dem Dach von der ganzen Familie gewendet. Große Kaffeeplantagen verwenden zum Trocknen spezielle Terrassen, auf denen die Bohnen mithilfe von kleinen Traktoren regelmäßig gewendet werden.

Die Schale entfernen

Egal, ob der Kaffee nass oder trocken verarbeitet wird, an dieser Stelle laufen die beiden Prozesse wieder zusammen. Die Kaffeebohne wird von einer letzten papierähnlichen Schicht umhüllt, die nun entfernt werden muss. Kaffee, bei dem diese Hülle noch nicht entfernt wurde, wird sehr treffen „Pergament-Kaffee“ genannt. Die Kaffeebohnen, die für den Export vorgesehen sind, werden normalerweise in dieser Pergamenthülle aufbewahrt, um sie so vor Feuchtigkeit und Staub zu schützen. Kurz bevor die Bohnen verschifft werden, entfernt der Kaffeebauer diese dünne Schale mithilfe einer automatisierten Mühle und aus dem „Pergament-Kaffee“ wird „grüner Kaffee“.

Die Klassifizierung

Vor der Ausfuhr müssen die Kaffeebauern jede einzelne Kaffeebohne kontrollieren und die mangelhaften aussortieren. Manche Bohnen haben eine ungewöhnliche Form oder sind von Insekten befallen. Um die Qualität der Röstung sicherzustellen, sollten diese Bohnen auf keinen Fall mitgeröstet werden. Auch andersfarbige Bohnen schaffen es nicht bis zur Röstung, dazu gehören beispielsweise weiße, unreife Kaffeebohnen.

Anschließend wird der Kaffee in Säcke verpackt und exportiert. Manchmal findet der nächste Verarbeitungsschritt aber auch gleich im Herkunftsland statt.

Die Röstung

Als Nächstes wird der Kaffee geröstet. Die dazu verwendeten Röster sehen aus wie große Backöfen, in denen sich die Kaffeebohnen in einem Zylinder über einer offenen Flamme drehen. Es gibt verschiedene Röstungsgrade, von leichten bis mittleren Röstungen, in denen die vielen Aromen des Kaffees erhalten werden, bis hin zu dunklem und sogar verbranntem Kaffee, der kaum noch Aromastoffe enthält. Jede Kaffeesorte hat sein ganz eigenes Röstprofil, das die verschiedenen Geschmacksnoten perfekt zur Geltung bringt. Natürlich gibt es auch viele verschiedene Meinung dazu, wie der perfekte Kaffee geröstet werden soll.

Nach der Röstung sollte der Kaffee baldmöglichst zubereitet werden. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Aromastoffe gehen verloren. Geröstete Kaffeebohnen sollten innerhalb eines Monats verbraucht werden.

Das Mahlen und die Zubereitung

Bevor der Kaffee zubereitet werden kann, müssen die gerösteten Kaffeebohnen gemahlen werden. Idealerweise mahlst du deinen Kaffee erst kurz vor der Zubereitung. Da das nicht immer möglich ist, gibt es viele verschiedene Sorten bereits gemahlen zu kaufen. In wirklich guten Cafés werden die Bohnen allerdings immer frisch gemahlen. Auf diese Weise wird eine ganz besondere Frische und Qualität des Kaffees garantiert.

Der letzte Schritt ist die Auswahl der Zubereitungsmethode. Egal, ob du dich für Espresso, eine Presskanne, Filterkaffee oder Aeropress entscheidest, mit diesem letzten Schritt wird aus den Bohnen, die einen so langen Weg zurückgelegt haben, deine Tasse Kaffee.

Viele Menschen und Maschinen sind am Werk, damit du dir deinen täglichen Kaffee schmecken lassen kannst. Dein Kaffee hat mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt und sich dabei von der Kaffeepflanze zum fein gemahlenen Kaffeemehl entwickelt.

Vielleicht siehst du Kaffee mit diesem Wissen jetzt mit ganz anderen Augen und kannst deine nächste Tasse noch mehr genießen. Konzentriere dich mit allen Sinnen auf das leckere Aroma und vielleicht kannst du den beschaulichen, sonnigen Kaffeehang sogar schmecken, auf dem dein Kaffee angebaut wurde.