Am Anfang der uralten Geschichte des Kaffees stehen Ziegen – genauer gesagt tanzende und nervöse Ziegen. Vielleicht hat sich der äthiopische Ziegenhirte Kaldi gerade in einem Tagtraum verloren, oder er ist kurz eingenickt. Egal, weshalb er abgelenkt war, als er seine Ziegen wieder im Blick hatte, bemerkte er, dass die Herde plötzlich viel aufgeweckter war, als sonst. Die Ziegen tobten umher, sprangen und tanzten, bis es Abend wurde und selbst dann, wollten sie nicht einschlafen! Der Hirte entdeckte schließlich, dass sein Herde nicht auf der üblichen Weide gegrast, sondern stattdessen die roten Beeren eines grünen Busches in der Nähe gegessen hatte.

Kaffee: Das Getränk

In diesem Moment hatte der Ziegenhirte, dank seiner Herde den Kaffee entdeckt. Kaldi erzählte seine Geschichte dem Vorstand des örtlichen Klosters, ob er zu diesem Zeitpunkt das Potenzial dieser Frucht erkannt hatte, oder nur eine lustige Anekdote teilen wollte, ist nicht bekannt. Die Neugier des Klostervorstehers war jedenfalls sofort geweckt. Er zögerte nicht lange und erntete die Beeren, um damit den allerersten Kaffee herzustellen, in der Hoffnung seine Aufmerksamkeit während des Gebets damit zu unterstützen. Ein neues Getränk- der Kaffee – war geboren und verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit bis auf die arabische Halbinsel.

Wie es schließlich zu dem Herstellungsverfahren kam, bei dem die geschälten Beeren zu Bohnen geröstet, gemahlen und schließlich zum Kaffee, wie wir ihn heute kennen, gebrüht wird, ist nicht belegt. Es ist unklar, wie aus dem ursprünglichen Getränk des Klostervorstehers aus der Kaffeekirsche schließlich das beliebte Heißgetränk aus der Kaffeebohne wurde. Wer weiß, vielleicht hat ein Koch eines Tages versehentlich eine Handvoll Kaffeekirschen ins Feuer fallen lassen, und nachdem er das intensive und köstliche Aroma bemerkte, entschied er sich dazu den Kaffee aus den gerösteten Bohnen aufzubrühen. Wie auch immer die genaue Entstehungsgeschichte lautet, das neue Heißgetränk war ein voller Erfolg.

Der Erfolgszug des Kaffees machte auch vor Europa nicht Halt. Überall eröffneten Kaffeehäuser, in denen man über einer Tasse Kaffee tief greifende Diskussionen führen konnte. Die größten Dichter und Denker dieser Zeit nutzten die neuen Coffee Shops, um sich dort mit Gleichgesinnten auszutauschen. Der Kaffee war zudem eine willkommene Abwechslung auf der europäischen Getränkekarte, die damals größtenteils aus Bier und Wein bestand. Es überrascht nicht, dass die Leute, die morgens zum Kaffee anstatt zum Alkohol griffen, viel produktiver waren.

Streit um den Kaffee

Natürlich brachte dieses neue Getränk auch Kritik und Unsicherheit mit sich. Während es von den meisten Menschen mit offenen Armen empfangen wurde, waren manche davon überzeugt, dass es das Getränk des Teufels war. Beinahe hätte die Geschichte des Kaffees ein frühes Ende genommen. Im Jahr 1511 machte der Stadtverwalter Mekka’s den Kaffeegenuss für böse Gedanken verantwortlich und wollte das Getränk verbieten lassen, der Sultan hingegen war andere Meinung und verkündetet, dass der Kaffee heilig war. Eine ähnliche Situation entstand im Christentum, als Papst Clemens VIII etwa neunzig Jahre später dazu gedrängt wurde, eine Entscheidung über den Kaffee zu treffen. Nachdem der Papst das Getränk allerdings selbst probiert hatte, sah er keinen Grund, warum der Kaffeegenuss den Menschen vorbehalten werden sollte und segnete das Heißgetränk im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Mit der Entdeckung der neuen Welt erreichte der Kaffee auch Amerika. Die Boston Tea Party trug einen wesentlichen Teil dazu bei, dass auch in den jungen Vereinigten Staaten immer mehr Menschen den Kaffee für sich entdeckten. Neben dem Import von Kaffeebohnen, brachten Entdecker und Kolonisten auch Kaffeesamen in die Neue Welt und sorgten dafür, dass in der Karibik, sowie in Südostasien und Zentral- und Südamerika innerhalb kürzester Zeit florierende Kaffeeplantagen entstanden.

Der Kaffee heute

Heutzutage ist Kaffee, nach Rohöl das ammeisten gehandelteProdukt der Welt. Mittlerweile gibt es Kaffeeplantagen in mehr als 50 Ländern, die von etwas 25 Millionen Landwirten bewirtschaftet werden. Die arabische Kaffeepflanze, wie sie damals in Äthiopien entdeckt wurde, gibt es heute kaum noch. Es existieren nur wenige Abkömmlinge dieser ursprünglichen Sorte. Die meisten modernen Kaffeebauern setzen auf industrialisierten Kaffee und stark veränderte Kaffeesorten.

Die Kaffeepflanze an sich ist ein Busch oder ein kleiner Baum, der normalerweise im Unterholz wächst. Der ursprüngliche Kaffee war ein Schattengewächs, der auch dann wachsen konnte, wenn ihm das Licht von größeren Pflanzen genommen wurde. Viele Kaffeebauern bevorzugen allerdings mittlerweile speziell gezüchtete Kaffeesorten, die in der Sonne wachsen. Diese Arten benötigen mehrere chemische Anwendungen, die sich negativ auf das Aroma auswirken, produzieren dafür aber auch eine größere Menge Kaffeebohnen.

Kaffeesorten

Neben dem traditionellen Arabica Kaffee, der den größten Teil der weltweiten Kaffeeproduktion ausmacht, gibt es auch noch den Robusta Kaffee. Dieser stammt ebenfalls aus Afrika, ist allerdings in der Kaffeewelt nicht sehr beliebt. Die Robustabohnen sind billiger und werden deshalb öfter als Füllstoff für gemahlene Kaffeemischungen und Instantkaffees verwendet, zudem sind sie für die Espressoherstellung perfekt geeignet. Da im Robusta Kaffee etwa doppelt so viel Koffein, wie in den Arabicasorten steckt, hat er eine stärkere Wirkung. Der Geschmack des Robusta zeichnet sich durch eine bittere und erdige Note aus. Mit der richtigen Röst- und Brühtechnik kannst du aus beiden Sorten einen richtig guten Kaffee machen.

Jüngste Geschichte

Als Produkt spielt der Kaffee eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft und ist sowohl für Landwirtschaftsverbände als auch für Umweltorganisationen ein brandaktuelles Thema. Die Kaffeewelt wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Bewegungen, die den fairen Handel oder die Bio-Zertifizierung unterstützen, stark beeinflusst. Der Überlebenskampf kleiner Handwerksbetriebe in der Kaffeeindustrie ist leider nach wie vor Realität. Allerdings produzieren die kleineren Plantagen auch die aromatischsten Kaffeebohnen und so ist es kaum verwunderlich, dass sich immer mehr Kaffeeliebhaber darum bemühen, diese kleinen Betriebe ausfindig zu machen und deren Kaffee entweder über Organisationen für fairen Handel oder direkt zu kaufen.

Durch seine abwechslungsreiche und interessante Geschichte hat sich der Kaffee zu dem Heißgetränk entwickelt, das wir heute kennen und lieben. Dadurch, dass es mittlerweile in vielen verschiedenen Regionen der Welt Kaffeeplantagen gibt, steht dir heutzutage eine breite Palette unterschiedlicher Aromen zur Verfügung, die nie entstanden wäre, wenn der Kaffee nach wie vor nur in Äthiopien angebaut werden würde. Die individuelle Zusammensetzung des Bodens in Kombination mit den unterschiedlichen Wachstumsbedingungen der verschiedenen Anbaugebiete sorgen dafür, dass sich das Kaffeearoma sogar von Region zu Region des gleichen Landes voneinander unterscheidet. Während die eine Kaffeesorte derb oder sogar schokoladig schmeckt, wird woanders ein zitruslastiges Aroma produziert, das nach Orange oder Zitrone schmeckt. Genau diese Vielfalt, ist es, was den Kaffee zu etwas Besonderem macht.

Der Kaffee hat eine aufregende Geschichte hinter sich, an deren Anfang eine Ziegenherde steht. Die Art und Weise, wie sich der Kaffee verbreitete und immer beliebter wurde, ist gespickt von Auseinandersetzungen, Kritik, Religion und spielte sogar eine Rolle in der Politik. Der Platz, den die Kaffeebohne in unserem Alltag und in der Weltwirtschaft hat, wird sich auch in Zukunft gemeinsam mit der Gesellschaft weiterentwickeln. Mit deinen Entscheidungen, welchen Kaffee du wo kaufst und wie du diesen zubereitest, kannst du die Zukunft des Kaffees mitbestimmen und ein kleines Stück der Kaffeegeschichte mitschreiben.