Viele Kaffeeliebhaber wollen den leckeren Geschmack, den sie aus ihrem Lieblingscafé kennen auch zu Hause genießen. Das individuelle Aroma einer Tasse Kaffee setzt sich aus einer Vielzahl von aufeinander folgenden Arbeitsschritten zusammen: Neben dem Aufbereitungsverfahren der geernteten Kaffeekirschen im Anbauland, der Veredelung des Rohkaffees durch den Röster, der gewählten Art deiner Zubereitung hat letztlich auch die Frische des Röstkaffees einen wesentlichen Einfluss auf dein Geschmackserlebnis! Das Aroma des Kaffees hängt also auch von seiner Herkunft und den klimatischen Bedingungen im jeweiligen Anbaugebiet ab. Ja sogar die Bodenbeschaffenheit auf der jeweiligen Plantage ist entscheidend für die spätere Qualität des trinkfertigen Kaffees.

Bevor wir uns mit dir gemeinsam auf eine spannende Reise begeben und die wichtigsten und besten Kaffeeanbaugebiete auf dieser Erde anschauen, machen wir doch noch einen kleinen Erdkunde-Exkurs. Die Kaffeepflanze benötigt ganz bestimmte klimatische Bedingungen. Diese existieren geographisch gesehen, ausschließlich zwischen dem 20° nördliche Breite und dem 25° südlichste Breite. Na, in Erdkunde aufgepasst? Nein, keine Angst, wir fragen dich nicht ab! Merke dir einfach, dass Kaffee nur innerhalb dieser beiden Breitengrade klimatisch bedingt angebaut werden. Diesen Bereich bezeichnen Kaffee-Enthusiasten gerne als so genannten Kaffeegürtel.

1. Brasilien

Brasilien ist ein Land, das aufgrund seiner Größe eine Vielzahl von Kombinationen aus Wetterbedingungen, Bodenzusammensetzung und unterschiedlichen Kaffeepflanzen zulässt. Demnach findest du hier auch viele verschiedene Geschmacksprofile. Neben all den Unterschieden haben die sechs größten Anbaugebiete Brasiliens auch einiges gemeinsam. Im Vergleich zu den meisten anderen Kaffeenationen werden die Kaffeepflanzen hier auf einer relativ niedrigen Höhe angebaut. Generell ist das Geschmacksprofil eines Kaffees aus tieferen Lagen weniger komplex. Dies liegt vor allem an der kürzeren Reifezeit der Kaffeekirschen in niedrigeren Anbauhöhen. Die meisten brasilianischen Kaffeesorten sind daher ausgewogen, vollmundig und schmecken nussig oder schokoladig.

Außerdem wird der Kaffee in Brasilien vielerorts trocken verarbeitet. Das bedeutet, die Kaffeekirschen werden direkt nach der Ernte sortiert und zum Trocknen ausgelegt. Die als Samen bezeichneten Bohnen befinden sich also für die gesamte Trocknungszeit in der Kaffeekirsche. Dieser Aufbereitungsprozess lässt die Bohnen somit im Fruchfleisch trocknen, wodurch sie einen höheren Anteil an Fruchtzucker erhalten. Dies hinterlässt im Geschmack eine dezent süßliche Note. Durch die Kombination von dieser Süße und der typischen Vollmundigkeit ist brasilianischer Kaffee sehr beliebt.

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Kaffee-Plantage in Brasilien
(c) aln2311

Brasilien ist zudem der weltweit größte und wichtigste Kaffeeproduzent. In nahezu allen Staaten dieses Landes wird Kaffeeanbau betrieben. Allen voran in Parana, Espirito Santo, Bahia, Minas Gerais und Sao Paulo.

Hättest du gewusst, dass gut ein Drittel der weltweiten Kaffeeproduktion aus diesem südamerikanischen Land stammen?! Zwar verbrauchen die Brasilianer bis zu 40 Prozent ihrer Ernte selbst. Der Rest wird jedoch in die ganze Welt exportiert. Sogar wir Deutschen importieren über 27 Prozent unseres Rohkaffees aus Brasilien, gefolgt von 19 Prozent aus Vietnam und 9 Prozent aus Kolumbien.

2. Guatemala

Guatemala ist nicht nur klimatechnisch eines der abwechslungsreichsten Kaffeenationen, sondern gehört sogar neben Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Peru, Indonesien, Äthiopien, El Salvador, Papua Neuguinea und Indien zu den zehn größten Kaffeeproduzenten der Welt. Es gibt insgesamt acht Anbaugebiete, die vom Nationalen Kaffee Verband Guatemalas (ANACAFE) anerkannt sind. Jede dieser Regionen besitzt ein eigenes Mikroklima, in dem mehrere Kaffeesorten vor allem im Schattenanbau kultiviert werden können. Aus dem Hochland Guatemalas stammen zudem einige der besten Kaffees der Welt. Hierzu zählen die beiden Arabica-Varietäten „Typica“ und „Bourbon“. Aufgrund dieser Vielseitigkeit ist es einfach, die einzelnen Kaffeeanbaugebiete in Guatemala an ihren einzigartigen Aromen zu erkennen. Zum Beispiel ist der Kaffee aus Antigua meist rein und ausgewogen. Durch den geringen Säureanteil wird der Kaffee aus dieser Region besonders gern für Mischungen verwendet. Im höher gelegene Anbaugebiet Huehuetenango hingegen werden die Pflanzen von dem warmen und trockenen Wind vor Frost geschützt. Das sorgt für ein fruchtiges Aroma, das nicht selten an den Geschmack von Wein erinnert. Trotz der vielen unterschiedlichen Arten, die in den verschiedenen Gebieten Guatemalas angebaut werden, ist eine Tasse Kaffee hier meist rein mit einem kräftigen Körper, lebendigen und vollmundigen Aroma und einem merklichen Säureanteil. Dadurch ist der guatemaltekische Kaffee nicht nur als Single Origin beliebt, sondern auch ein fester Bestandteil verschiedener Espressomischungen, den so genannten Blends.

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Antigua, Guatemala
(c) kobbydagan

3. Costa Rica

Wenn es um optimierte Methoden und Technologien im Kaffeeanbau geht, dann gehört Costa Rica eindeutig an die Weltspitze. Nachdem sich die Kaffeeherstellung des Landes seit Jahren auf die nasse Aufbereitung von Kaffee konzentriert, sind die Mühlen und Verarbeitungsstationen perfekt auf dieses Verfahren ausgerichtet. In den wichtigsten Anbauregionen um die Hauptstadt San Josè herum, werden die Kaffeepflanzen in Höhenlagen von 700 bis 1.600 Metern kultiviert. Leider ist bis heute der Anbau von Robusta-Pflanzen verboten, weshalb ausschließlich Arabica-Varietäten in Costa Rica angebaut werden.

Seit Kurzem experimentieren die Hersteller in Costa Rica zudem mit dem sogenannten Honigverfahren, bei dem die Kaffeebohnen mit einem Teil des süßen Fruchtschleims der Kaffeekirsche getrocknet werden. Diese Methode ermöglicht ein kräftig süßes und fruchtiges Aroma.

Die meisten Kaffeesorten aus Costa Rica gehören der Catura-Familie an und werden in vier grundverschiedenen Gebieten angebaut. Auch wenn bei den verschiedenen Aromen des Landes viele Faktoren, wie Herstellungsverfahren oder Anbaugebiet eine Rolle spielen, gilt der Kaffee aus Costa Rica generell als der reinste der Welt. Die sirupartige Konsistenz und der süßliche Geschmack machen den costa-ricanischen Kaffee zu einem beliebten und dennoch exotischen Heißgetränk.

Zwar werden jährlich gerade einmal 145.000 Kilogramm Kaffee geerntet. Dies ist aber vor allem für die heimische Wirtschaft Costa Ricas von enormer Bedeutung. Immerhin sind über 12 Prozent der dortigen Bevölkerung direkt von diesem Wirtschaftszweig abhängig, sei es im Anbau, der Ernte und Aufbereitung oder im Export.

4. Äthiopien

Als Geburtsstätte des Kaffees besitzt Äthiopien eine breite Palette an vielen verschiedenen Kaffeesorten, die allgemein als Ethiopian Heirloom bekannt sind. Weit mehr als 12 Millionen Menschen leben heute in Äthiopien von der Kaffeeindustrie. Nicht ohne Grund ist das Ursprungsland des Kaffees der größte afrikanische Exporteur von Arabica-Bohnen. Es ist fast unmöglich, die Ursprungspflanze eines äthiopischen Kaffees anhand des Aromas zu bestimmen. Dass alle Kaffeesorten aus Äthiopien ausschließlich über die Handelsbörse vertrieben werden, macht es noch schwerer den genauen Ursprungsort herauszufinden. Da die Nachvollziehbarkeit der Herkunft in der Kaffeeindustrie von zentraler Bedeutung ist, ergibt sich hier ein interessantes Problem.

Trotz dieser Undurchsichtigkeit hat das Land drei Kaffeeanbaugebiete, die alle eine eigene und unverwechselbare Geschmacksnote produzieren. In Harrar wächst der Kaffee dank des heißen Wüstenklimas in höheren Lagen, was ein vollmundiges und saures bis weinartiges Aroma zur Folge hat. Einige der besten Kaffeesorten aus Harrar haben eine ausgeprägte Heidelbeer- oder Brombeernote, die sehr treffend als exotisch bezeichnet wird.

Die anderen beiden Anbaugebiete Äthiopiens liegen in Sidama und Westafrika. Yirgacheffe, eine Region in Sidama, ist besonders für ihren Kaffee mit einem blumigen Zitrusaroma bekannt. Einige Sorten aus Yirgacheffe haben sogar einen unverkennbaren Erdbeergeschmack. In Limu und Gimbi im Westen Äthiopiens findest du noch süßere Aromen, deren Säuregehalt im Vergleich sehr niedrig ist.

Generell haben die Kaffeesorten aus Äthiopien einen eher leichteren Körper, gepaart mit fruchtigen und starken Aromen, die vor allem bei den experimentierfreudigen Kaffeetrinkern sehr beliebt sind. Äthiopischer Kaffee wird am besten als Single Origin, entweder als Pour-Over oder Espresso genossen, natürlich ohne Milch und ohne Zucker!

5. Kenia

Kenias Verarbeitungsrichtlinien, Einstufungssysteme und innovative Lösungen in der Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, wie beispielsweise Blattrost, machen das Land zu einem der modernsten Kaffeelieferanten unseres Planeten. SL28 ist die am weitesten verbreitete Sorte. Zudem bauen die kenianischen Kaffeebauern die blattrostresistenten Sorten Ruiru 11 und Batian an. Die Anbauhöhe kenianischer Kaffeeplantagen reicht von 1.500 bis 2.100 Metern. Zu den wichtigsten Anbaugebieten in Kenia zählen beispielsweise der Mount Kenia und der Mount Elgon. Die kenianischen Kaffeebauern legen zudem ihren Fokus auf die Ernte möglichst großer Bohnen. Diese werden im Fachjargon auch als so genannte Peaberry-Bohnen bezeichnet. Bei diesen Perlbohnen befinden sich nicht wie üblicherweise zwei Bohnen in einer Kaffeekirsche. Sie bestehen aus lediglich einem großen Samen. Dies macht den Kaffee seltener und ermöglicht es den Afrikanern, ihren Kaffee teuer verkaufen zu können.

Peaberry-Bohnen

Peaberry-Bohnen
(c) Kittichai

Vor dem Rösten beziehungsweise dem Export werden die Kaffeebohnen hier nach Größe sortiert. Aus der kenianischen Kaffeekirsche wird mithilfe des Verfahrens der doppelten Vergärung eine trockene Kaffeebohne. Dadurch entsteht ein extrem reiner und reichhaltiger Geschmack.

Die hochwertigen Kaffeesorten aus Kenia schmecken am besten, wenn sie als Single Origin manuell, zum Beispiel im Pour-Over oder Aeropress Verfahren zubereitet werden. Diese Methoden behalten die dezente Zitrusnote, während das dominierende Beerenaroma noch mehr zur Geltung kommt. Aufgrund der kräftigen fruchtigen Noten werden die Kaffeesorten aus Kenia oft als exotisch beschrieben.

6. Indonesien

Seit dem frühen 17. Jahrhundert wird im Inselstaat Indonesien bereits der Arabica Kaffee angebaut. Heutzutage ist Indonesien eine der erfolgreichsten Nationen im Export von Kaffee. Mit über 30 Anbaugebieten, die sich über die vielen kleinen Inseln verteilen, ist Indonesien von der Kombination aus Wetter, Bodenzusammensetzung und Höhenlage genauso vielseitig wie Guatemala mit seinen Mikroklimata. Der Großteil des Kaffeeanbaus beschränkt sich auf die folgenden drei Regionen: Sulawesi, Sumatra und Papua. Auch wenn andere Regionen wie Flores und Bali, aber beispielsweise auch Java als eines der wichtigsten Robusta-Produzenten zur Kaffeeproduktion des Landes beitragen, ist die Qualität hier oft nicht gut genug, um als Spezialitätenkaffee zu gelten. Aus Indonesien stammt auch der als Katzenkaffee bekannte Kopi Luwak.

In Sumatra, Sulawesi und Papua wird der frisch gepflückte Kaffee normalerweise mit einer von zwei Methoden verarbeitet. Standardmäßig wird ein einfaches nasses Aufbereitungsverfahren angewandt. Diese als „washed“ bezeichnete Methode ist nicht nur ähnlich des Prozesses in Mittelamerika, sondern wird auch von vielen Kaffeeimporteuren bevorzugt. Es gibt aber auch noch die traditionelle Gilling Basah Methode. Dabei wird die äußere Hülle der Kaffeekirsche entfernt und in ihrem süßen Fruchtschleim – der so genannten Mucilage – einen Tag lang eingelegt, bevor sie im Ganzen getrocknet und verkauft wird. Dieser Prozess ist für das vollmundige und oft unerwünschte mulchige Aroma verantwortlich, das als „Forest Floor Funk“ bekannt ist.

Die meisten der indonesischen Kaffeesorten sind eine unbekannte Mischung vieler verschiedener Arten. Unter Liebhabern ist dieser Kaffee mit seinem schweren vollmundigen und grasigen Aroma, das an grünen Pfeffer oder Zedernholz erinnert, nicht sehr beliebt. Allerdings haben einige Kaffeebauern in Indonesien damit begonnen nur noch ausgesuchte Kaffeepflanzen anzubauen, was zu einer vielversprechenden süßen und allgemein leichteren Geschmacksnote führt.

7. Kolumbien

Kolumbien ist mit einer Jahresproduktion von über 697.300 Tonnen Rohkaffee der drittgrößte Kaffeelieferant der Welt. Brasilien mit 2.249.100 Tonnen und Vietnam mit 961.200 Tonnen teilen sich Platz 1 und 2. Doch anders als bei dem größten und zweitgrößten Kaffeelieferanten besteht der kolumbianische Kaffee zum größten Teil aus gewaschenen Arabicas. Sprich, die Kaffeebohnen werden alle im Nassverfahren verarbeitet und gehören einer der folgenden drei Arten an: Typica, Catura oder Castillo. Das belegt die Qualität und Reinheit des kolumbianischen Kaffees. Aufgrund dieser Ausgewogenheit und Reinheit werden diese Kaffeesorten nur selten mit anderen Kaffees gemischt.

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Kaffee-Verarbeitungsbetrieb in Minca, Kolumbien
(c) jkraft5

Ähnlich wie in Guatemala, findest du auch in Kolumbien sehr vielseitige Anbaugebiete. Die drei Gebirge des Landes kreieren auch hier viele verschiedene Mirkoklimata. Was in Kolumbien allerdings einzigartig ist: Durch diese Wetterbedingungen kann der Kaffee gleich zweimal im Jahr geerntet werden. Die Haupternte findet im Mai statt, nur ein halbes Jahr später wird im November schon wieder geerntet – diese zweite Ernte fällt in der Regel jedoch kleiner aus.

Kaffee aus Kolumbien zeichnet sich durch ein reichhaltiges, intensives Aroma und eine cremige Konsistenz aus. Zudem sind ein ausgewogener Säuregehalt und ein außergewöhnlicher Geschmack mit einer Toffee- oder Schokoladennote typisch. Diese Eigenschaften machen den kolumbianischen Kaffee zum perfekten Single Origin für deine heimische Kaffeebar. Dort schmeckt er entweder als Pour-Over oder sogar aus einer automatischen Kaffeemaschine.

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